Rehabilitation of Personality Disorders in Inpatient Behavioral Psychosomatic and Addiction Therapy

S. 143 - 161

gemeinsam mit:
Bernt Schmitz, Sascha Gönner, Annette Wagner, Klaus Limbacher, Monika Vogelgesang

in:
“Research in Rehabilitation”

Jäckel, W. H., Bengel, J., & Herdt, J. (Eds.). (2006). Research in Rehabilitation: Results from a Research Network in Southwest Germany. Stuttgart: Schattauer.

 

Darin. Schmitz, Bernt; Schuhler, Petra; Gönner, Sascha; Wagner, Annette; Limbacher, Klaus; Vogelgesang, Monika (2006): Rehabilitation of personality disorders in inpatient behavioral psychosomatic and addiction therapy

Der Beitrag befasst sich mit der Frage, inwieweit stationäre Rehabilitation in Psychosomatik und Sucht für Patienten mit Persönlichkeitsstörungen wirksam ist. 
Der Artikel thematisiert, dass diese Patientengruppe  in psychosomatischen und suchttherapeutischen Rehabilitationskliniken häufig aufgetreten ist und dabei eine erhöhte Symptombelastung aufweist, vermehrt unter interpersonellen Problemen leidet. Zudem ist mit einem ungünstigeren Behandlungsverlauf und -ergebnis zu rechnen im Vergleich mit der Patientengruppe ohne Persönlichkeitsstörungen. Vor dem Hintergrund der lange verbreiteten Annahme, Persönlichkeitsstörungen seien auch im rehabilitativen Setting kaum behandelbar, wird ein neues kompetenzorientiertes Therapieprogramm auf der Basis eines dimensionalen statt kategorialen Verständnisses von Persönlichkeitsstörungen mit einem quasi-experimentellen Untersuchungsdesign erprobt. 
In einem Pre-Post-Vergleich mit katamnestischem Follow-up werden stationäre Behandlungsverläufe der Patientengruppe mit Persönlichkeitsstörung verglichen, in Abhängigkeit von der Teilnahme an dem neu entwickelten, ressourcenorientierten Programm, das auf dieser Basis die Persönlichkeitsstörung in den Fokus stellte und darüber hinaus auf einem dimensionalen Konzept beruhte. Das heißt in Abgrenzung zum kategorialen Konzept der Persönlichkeitsstörung: Auf Pathologisierung wird zugunsten einer Kompetenzorientierung verzichtet. Milde Formen des problematischen Erlebens und Verhaltens werden als unverzichtbare Qualitäten der Selbststeuerung und der Interaktionskompetenzen betrachtet.  Hinsichtlich der Persönlichkeitsstörung sieht das Programm eine heterogene Gruppenzusammensetzung vor und zielt auf Transparenz und Veränderungsbereitschaft durch plausible Modelle, nicht-konfrontative Motivierungsstrategien in Verbindung mit emotionaler Erlebnisaktivierung. 
Die Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe, die an dem neuen Programm teilgenommen hat, signifikante Verbesserungen erzielte in den Bereichen Emotionsregulation, Selbststeuerung, interpersonelle Fähigkeiten und Problemlöse-Kompetenz.

Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass Persönlichkeitsstörungen im Rahmen stationärer psychosomatischer und suchttherapeutischer Rehabilitation als veränderbar anzusehen sind, wenn ein dimensionaler,  kompetenzorientierter und emotionsaktivierender Ansatz mit plausiblen Modellen  in der Therapie verfolgt wird.