Praxis der Psychotherapie

Senf, W., & Broda, M. (Hrsg.) (2012). Praxis der Psychotherapie: Ein integratives Lehrbuch (6., überarbeitete Auflage). Stuttgart: Thieme

Kapitel  31 Abhängigkeit (psychotrope Substanzen) 

Petra Schuhler & Klaus Biltza

Im diesem Kapitel  wird die Abhängigkeit von psychotropen Substanzen als multifaktoriell bedingte psychische Störung beschrieben mit Merkmalen wie Craving, Kontrollverlust sowie Toleranz- und Entzugsentwicklung. Die Entstehung wird im biopsychosozialen Modell verortet; der Substanzkonsum erfüllt dabei häufig Funktionen der Affektregulation und Selbstmedikation.

Im therapeutischen Teil werden verhaltenstherapeutische und psychoanalytisch/psychodynamische Ansätze dargestellt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen, sich jedoch in zentralen Punkten ergänzen und gut integrieren lassen. Die Verhaltenstherapie bietet vor allem Strategien zur Veränderung des Konsumverhaltens, darunter die Analyse von Risikosituationen, den Aufbau alternativer Bewältigungsstrategien sowie Maßnahmen zur Rückfallprophylaxe. Ziel ist es, die Selbstkontrolle zu stärken, funktionale Verhaltensweisen zu entwickeln.  Psychoanalytische Ansätze richten den Blick stärker auf unbewusste Konflikte und  frühe Beziehungserfahrungen 

Eine Schnittstelle beider Perspektiven liegt in der Bedeutung der inneren Funktionalität des Konsums. Beide Ansätze zielen darauf ab, alternative Formen der Affektregulation aufzubauen und die Selbststeuerungsfähigkeit zu stärken. Zudem betonen beide die therapeutische Beziehung als wichtigen Wirkfaktor, wenn auch mit unterschiedlicher theoretischer Einbettung.

Insgesamt zeigt das Kapitel, dass eine integrative Herangehensweise sinnvoll ist, da diese  sowohl die Verhaltensänderung als auch die Bearbeitung zugrunde liegender psychischer Dynamiken berücksichtigen kann.