Psychotherapie der Sucht

Beschreibung

Vogelgesang, Monika; Schuhler, Petra (Hrsg.): Psychotherapie der Sucht. Methoden, Komorbidität und klinische Praxis. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. Lengerich: Pabst Science Publishers, 2016

Darin folgende Beiträge

  • Psychotherapie bei Suchterkrankung mit komorbider depressiver Störung — Petra Schuhler.
  • Psychotherapie bei Suchterkrankung mit komorbider Angststörung — Petra Schuhler.
  • Psychotherapie bei Suchterkrankung und komorbider Persönlichkeitsstörung — Petra Schuhler .
  • Psychotherapie als körperorientierte Therapie der Selbstunsicherheit bei Abhängigkeitserkrankungen - Petra Schuhler

Die Psychotherapie hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem theoretisch gut fundierten und praktisch bewährten Kernbereich der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen entwickelt.

Die nunmehr dritte - erweiterte und aktualisierte - Auflage des Standardwerks “Psychotherapie der Sucht” basiert auf der Grundlage des bio-psycho-sozialen Modells. Erfahrene ärztliche und psychologische Therapeuten und Therapeutinnen beschreiben unterschiedliche Methoden - von der kognitiven Verhaltenstherapie über die personzentrierte Therapie bis hin zu körperorientierten und imaginativen Verfahren.

In den Beiträgen von Schuhler Suchterkrankungen treten  nicht isoliert auf, sondern eng mit anderen psychischen Störungen. 

Ein zentraler Fokus liegt auf der gleichzeitigen Behandlung von Sucht und Depression. Depressive Symptome können sowohl zur Entstehung einer Abhängigkeit beitragen als auch deren Folge sein. Für die psychotherapeutische Praxis bedeutet dies, dass motivationale Einschränkungen, Hoffnungslosigkeit und ein erhöhtes Rückfallrisiko gezielt adressiert werden müssen. Kognitive und verhaltensorientierte Interventionen werden dabei mit Strategien zur Stabilisierung und Rückfallprävention kombiniert.

Auch bei komorbiden Angststörungen zeigt sich die funktionale Bedeutung von Suchtmitteln. Substanzen werden häufig eingesetzt, um Angst zu reduzieren oder belastende Situationen zu vermeiden. Diese kurzfristige Entlastung trägt jedoch langfristig zur Aufrechterhaltung der Störung bei. Entsprechend zielt die Therapie darauf ab, Vermeidungsverhalten abzubauen und alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln, insbesondere durch Expositionsverfahren.

Bei Patientinnen und Patienten mit Persönlichkeitsstörungen ist die Behandlung zusätzlich durch komplexe Beziehungsmuster, Impulsivität und eingeschränkte Emotionsregulation geprägt. Hier kommt der Gestaltung einer stabilen therapeutischen Beziehung  eine besondere Bedeutung zu. Die Sucht erfüllt in diesen Fällen häufig eine Funktion der Affektregulation.

Ergänzend wird die Bedeutung körperorientierter Verfahren hervorgehoben. Insbesondere bei ausgeprägter Selbstunsicherheit kann die Einbeziehung von Körperwahrnehmung, Atemarbeit und erlebnisorientierten Übungen dazu beitragen, das Selbstgefühl zu stabilisieren und den therapeutischen Prozess zu unterstützen.

Insgesamt zeigen die Beiträge, dass Suchttherapie nur dann nachhaltig wirksam ist, wenn sie die individuelle Funktion des Suchtverhaltens im Kontext komorbider Störungen versteht und integriert behandelt. Die Kombination kognitiver, emotionaler und körperbezogener Ansätze stellt dabei einen zentralen Bestandteil solch moderner suchttherapeutischer Konzepte dar.